Leben in zwei Realitäten


„Denn er wird den Armen retten, wenn er um Hilfe schreit, und den Elenden, der keinen Helfer hat ... Er wird ihre Seele erlösen aus Bedrückung und Gewalt, und ihr Blut wird kostbar sein in seinen Augen“ (Psalm 72,12.14).

Die meisten Holocaust-Überlebenden leben heute in zwei Realitäten – die der Gegenwart und die der Vergangenheit. Ihr Kurzzeitgedächtnis lässt oft nach und es fällt ihnen schwer, sich an die täglichen Aufgaben zu erinnern. Die Erinnerungen an die Vergangenheit sind aber oft am präsentesten.

Erinnerungen, Erinnerungen. Wie Raben greifen sie die Opfer an, sie belasten die Gedanken, flattern herein und wieder hinaus, schlagende Flügel, die nicht nachlassen, picken den Boden der Ruhe und Erholung auf, bis er voller kleiner Löcher ist. Vor allem in den dunklen Stunden der langen Nächte beginnen diese unwillkommenen geflügelten Gäste ihr Eindringen. Wenn die Sonne am Morgen aufgeht, wärmt sie mit ihrem Licht kalte Hände und Füße und verscheucht die nächtlichen Vögel und die dunklen Schatten der Vergangenheit.

Miriam erinnert sich an den Tag in Au­schwitz, als ihre Haare abrasiert wurden und wie sie dort verweilte und auf ihre Mutter warten wollte. Das Trauma, das sie in den Lagern erlitten, ist immer noch sehr lebendig: ständiger Hunger, ständig Anwesenheitsappelle, Strafen, wie gezwungen zu werden, stundenlang mit erhobenen Händen zu knien, falls bei den Appellen jemand fehlte. Sie wurde zwei Mal in die Duschen gebracht, aber das Gas blieb aus – ein weiteres Wunder, durch das sie überlebte.

Eine schreckliche Erinnerung ist an einen SS-Kommandaten, der ein Mädchen, das versucht hatte zu fliehen, folterte und tötete. Das junge Mädchen war eine Baletttänzerin und die Wächter zogen sie aus und bespritzten sie mit kaltem Wasser und zwangen sie in dem frostigen Winter zu tanzen. Natürlich tanzte das Mädchen immer weiter von ihren Peinigern weg, um dem eiskalten Wasser zu entgehen, bis sie sie schließlich erschossen.

Später, bei einem Todesmarsch, wurden sie durch die SS-Wächter zurückgelassen und fanden sich schließlich bei einem verlassenen Bauernhof wieder. In der ersten Nacht schlief Miriam in einer Scheune, wo ihr im Schlaf die Schuhe gestohlen wurden. Es war Winter und am Morgen ging sie, ohne Schuhe, ins Haupthaus. Bei ihrem Eintritt fand sie einen großen Raum, der aussah wie ein Ballsaal, mit Spiegeln an den Wänden. Die Besitzer mussten sehr reich gewesen sein. Als sie Vorwärts ging, konnte sie jemanden auf sie zukommen sehen und lief dabei fast gegen den Spiegel. Es war ihr eigenes Spiegelbild gewesen und sie hatte sich selbst nicht erkannt. „Das war ein furchtbares Gefühl,“ sagt sie.

Obwohl Miriam ihr Herz öffnete und uns viele ihrer schmerzhaften Erinnerungen mitteilte, erklärte sie auch, dass ihre Geschichte nur eine Kurzfassung dessen sei, was ihr in all den Jahren zugestoßen war. Das ist sehr typisch für die Holocaust-Überlebenden, die wir kennen gelernt haben. Einige können ihre Erlebnisse ausführlich erzählen, andere, wegen den Schmerzen, die mit den Erinnerungen verknüpft sind, überhaupt nicht.

Diese kostbaren Überlebenden sagen uns oft auf ihre eigene Art und Weise, wie viel ihnen unsere Besuche bedeuten und wie die dargebotene Freundlichkeit ihr Leben etwas erhellt. Wir wissen, dass die Zeit, die wir mit diesen wunderbaren Menschen noch verbringen können, sehr begrenzt ist und wir schätzen jede einzige Minute mit ihnen. Wir könnten aber unsere Arbeit ohne die Gebete und treue Unterstützung von anteilnehmenden Menschen wie Sie nicht fortführen. Vielen Dank für Ihre Hingabe für das Werk der Wiederherstellung, das Gott für Sein Volk in Seinem Land tut.

Olga Kopilova
Projekt Vergesst sie nicht


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