Namen und Nummern


Der du uns viel Not und Unglück hast sehen lassen, du machst uns wieder lebendig und holst uns wieder herauf aus den Tiefen der Erde“ (Psalm 71,20-21).

20, 5, 50, 30, 70, 74. Das sind alles Zahlen, die für eine Person nichts bedeuten mögen, aber für eine andere dafür um so mehr. Zwanzig Jahre Ehe, Feier zum fünften Geburtstag, 50 Jahre im Dienst. Im Mai gedachten wir der 74 Jahre seit dem Ende des 2. Weltkrieges in Europa - dem Tag des großen Sieges, und auch Yom HaShoa - der Holocaustgedenktag. Yom HaShoa ist für uns, die Zeugen der Zeitzeugen sind, ein Tag, um uns an die Ereignisse zu erinnern, die uns in Geschichtsbüchern und durch persönliche Zeugnisse vermittelt werden. Für die Überlebenden dieser schrecklichen Gräueltaten ist der Tag eine Erinnerung an den tiefen Schmerz des Verlustes, der kummervollste Tag des ganzen Jahres, wenn die Gedanken und das Herz keine Ruhe finden und sich viel Fragen stellen. Was wenn? Wie wäre das Leben, wenn DAS nur nicht passiert wäre? Sie versuchen sich an die kostbaren Schätze zu erinnern, wie das Gesicht der geliebten Mutter oder das liebevolle Lächeln des Vaters, bevor diese bei der Invasion der Sowjetunion getötet oder in den Gaskammern von Auschwitz verbrannt wurden.

Heute haben wir noch immer das Vorrecht, diesen kostbaren Holocaustüberlebenden zur Seite zu stehen, uns in Yad Vashem zu versammeln, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, um ihnen zu zeigen, dass uns ihre Vergangenheit nicht gleichgültig ist, um die Zukunft zu beschützen. Wir kennen ihre Namen und wir kennen ihre Geschichten. Einmal im Jahr erinnern wir uns - gemeinsam. Dieses Jahr war die Zahl der Teilnehmer geringer, die Zeremonie der Kranzniederlegung kürzer und die Liste der Namen kleiner. Diese Tendenz der vergangenen Jahre bringt uns zum Nachdenken: Wird es in 20-30 Jahren noch so eine Zeremonie geben? Wird der 100. Jahrestag nur eine Zahl sein und werden sich die Namen, die wir so gut kennen, einfach in eine Statistik verwandeln? Vielleicht. Aber heute ist es noch nicht so weit.

Ihr Name war Magda. Sie wurde am ersten Frühlingstag in 1925 geboren. Die deutschen zogen Anfang 1944 in Ungarn ein und bald wurde die Stadt Pécs, die Stadt, in der Magda zusammen mit ihren Eltern und einer Schwester fröhlich aufwuchs, eingenommen und ein Ghetto errichtet. Einige Monate später, am 1. Juli, wurde Magda zusammen mit 4000 anderen Juden aus Pécs nach Auschwitz geschickt. Hier ereignete sich das erste Wunder von Magdas Überleben. Der berüchtigte Doktor Mengele wählte Magda aus den überfüllten Baracken zusammen mit 200 anderen Frauen aus, die leben durften. So viele unausgesprochene Erinnerungen aus dieser Zeit, mit denen Magda noch lange nach ihrer Befreiung leben musste.

Nach ein paar Monaten in Auschwitz passierte ein weiteres Wunder. Die Gefangenen von Magdas Baracke standen aufgereiht da, als einer der Soldaten zwei der Reihen auswählte und sie zurück an die Arbeit schickte. Magda war eine der zehn Frauen. Nach ihrer Rückkehr fand sie die Baracke leer vor. Alle anderen Gefangenen, die am Morgen zurückgeblieben waren, wurden in den Gaskammern umgebracht, um wieder Platz für Neuankömmlinge zu machen.

Nachdem sie Arbeitslager und Todesmärsche überlebt hatte, kam endlich die Befreiung. Nach ihrer Befreiung kehrte Magda sofort nach Pécs zurück. Ihre Hoffnung, irgendwelche Familienmitglieder zu finden, wurde zerschmettert. Aus der Stadt mit 4000 Einwohnern waren nur 50 am Leben geblieben, darunter waren keine ihrer Familienmitglieder. Über die Jahre baute sich Magda zusammen mit ihrem geliebten Ehemann im Land Israel, in das sie in 1948 kam, ein neues Leben auf. Nach vielen Mühen und harter Arbeit in einem Kibbutz im Süden Israels hatte sie sich schließlich eingelebt, gepflanzt durch die Hand Gottes in ihrem eigenen Land, und war sehr Stolz auf ihren Nachwuchs.

Magdas Leben auf dieser Erde endete an Israels Unabhängigkeitstag diesen Jahres. Wir werden all die kostbaren Erinnerungen, ihr Lächeln und ihre Umarmungen liebevoll in unseren Gedanken behalten. Wir erzählen ihre Geschichte weiter, so dass sie ein Name bleiben möge und nicht zu einer bloßen Zahl auf einer Liste von Toten verkommt.

Die Zeit mit unseren lieben Holocaustüberlebenden wird knapp. Wir als Team hier in Jerusalem wissen Ihre treue Unterstützung und Ihre Gebete sehr zu schätzen. Vielen Dank! Wir wollen gemeinsam Anteil an dem Privileg nehmen, in den kommenden Tagen mit Israel und den Verheißungen Gottes für dieses Land zu stehen. Wir wollen aber auch Anteil an der Verantwortung nehmen, eine Stimme für die zu sein, die nicht für sich selbst sprechen können.

Olga Kopilova
Projekt Vergesst sie nicht


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