Ein Ruf aus dem Totenreich zum Herrn des Lebens


Die Freude der Gemeinschaft

„Herr, du hast meine Seele aus dem Totenreich heraufgebracht; du hast mich belebt aus denen, die in die Grube hinabfahren“ (Psalm 30,3).

Jeder einzelne Hausbesuch (die Situation einer Person betrachten und den wahren Nöten begegnen) ist etwas Besonderes, genau so, wie jede Person sehr kostbar und besonders ist. Einige der Menschen haben wir nur ein paar Mal besucht, andere wiederum kennen wir seit vielen Jahren, trotzdem wird jeder Besuch gewertschätzt und alle freuen sich darauf, das gilt sowohl für uns als auch für die Besuchten. Für viele sind wir wie eine Familie geworden. Manchmal verstehen wir gar nicht wirklich, wie ausgesprochen wichtig diese Besuche, vor allem für die Alleinstehenden, sind, die keinen Partner oder keine Kinder haben, die sie regelmäßig besuchen. 

Das hat sich bei dem letzten Besuch unseres Teams bei Ilia, der in Afula lebt, ganz klar gezeigt. Es war offensichtlich, dass ihm unser Besuch sehr viel bedeutete. Gott sei Dank konnten wir seine einsame Routine mit der Wärme und Liebe Gottes füllen. Ilia lebt alleine in einer kleinen Wohnung. Seine Frau und sein einziger Sohn starben bereits vor einigen Jahren und er blieb alleine in Israel zurück. Ilia hat ein sehr weiches Herz und er liebt Menschen. Leider hat sich in letzter Zeit sein Gesundheitszustand verschlechtert und jetzt kann er ohne Hilfe seine Wohnung nicht mehr verlassen. „Ihr seid (christliche) Menschen mit goldenen Herzen“, sagte Ilia zu uns. „Ihr habt Wärme in meine kalten Tage gebracht, einfach schon durch euer Lächeln. Wenn ich mich einsam fühle, denke ich oft an euch. Ich werde eure Freundlichkeit niemals vergessen. Man kann jemanden zwingen und befehlen zu hassen, aber man kann niemandem befehlen zu lieben. Ich weiß, dass eure Liebe echt ist.“ Es gibt zahllose Geschichten von älteren jüdischen Menschen, die über unsere Arbeit das Gleiche denken. 

Nur Ilia und seine Mutter überlebten den Holocaust, der Rest seiner Familie kam um. Jahre später konnte Ilia einen sehr bewegenden und herzzerreissenden Roman über sein Leben im 2. Weltkrieg schreiben. Wenn man ihn liest, kann man sich die Geschehnisse bildlich vorstellen. Er schrieb in seinem Buch: „Welch ein schöner Morgen es war, aber etwas schreckliches wachte ebenso auf! Wir standen aus dem Heuhaufen auf, in dem wir geschlafen hatten und gingen auf die Straße zu. Die Straße war bereits sehr voll und laut – Menschen liefen herum und schoben kleine Wägen voller Essen, trugen nutzlosen Kram auf ihren Rücken und gingen in Richtung Stadt. Wir gingen in Stille, ich versuchte, nicht zu meiner Mutter zu schauen, ihr Gesicht ... nein, es ist besser, wenn ich euch nicht sage, wie ihr Gesicht ausgesehen hat ... Nach dieser schrecklichen Nacht bat sie niemals um Vergebung. Wir gingen einfach nur, genau wie wir es gestern getan hatten und den Tag zuvor, wir gingen nach Osten, der Sonne entgegen ... Aber wie gestern und den Tag davor erhob sich ein klein wenig Hoffnung in mir – wir können einfach nicht sterben, wenn die Sonne dermaßen wunderbar auf uns herabstrahlt! Gott, liebster Gott, Du kannst alles tun, bitte schenke ein Wunder! Ist es nicht genug, dass 18 Menschen in Mariupol bereits getötet worden sind? Großmutter, Tante Ginda, Tante Lida, Onkel Yasha, Mosya und Eva – wie viele noch, oh Herr? ... Herr, es wäre so schön zu leben ... hörst Du mich, oh Herr? Ich will nicht sterben!! Liebster Gott, Du hast mich schon so oft gerettet, erinnerst Du Dich? Als ich sank, warst Du es, der mich gerettet hat, richtig? Dann, als die Granate über unserer Wohnung explodierte und meinen Vater tötete, erinnerst Du Dich? Und als die Bomben um uns herum bei der Eisenbahnhaltestelle herabfielen, warst nicht Du es, der uns gerettet hat? Bitte rette uns jetzt wieder, weil Du der Allmächtige, der Barmherzige und Großartige bist ...“.

Es war wahrlich der Allmächtige, der Ilia am Leben hielt, und ihn davor bewahrte, in die Grube hinabzufahren. Früher war er mal ein Atheist, aber nun glaubt er an den Einen Wahren Gott, der während dem 2. Weltkrieg sein Leben drei Mal bewahrte. Es war schwer, Ilia wieder alleine zu lassen, Tränen kamen aus seinen Augen als wir wieder gingen, aber wir versprachen ihm wiederzukommen. 

Danke für Ihre Gebete und ihre Gaben, die es unseren Teams ermöglichen, weiterhin Trost, Ermutigung und Liebe zu denen zu bringen, die auf wundersame Weise den Wahnsinn, das Chaos, den Verlust und den Kummer des Holocausts überlebt haben.

Von Olga Kopilova, Koordinatorin von „Vergesst sie nicht“


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