7. August 2017


Tisha B'Av - Tragischer Tag der Leiden

Israelis freuen sich nie auf den 9. Av. Geschichtlich ist das ein Datum, an dem das Jüdische Volk oft von irgendeiner Art Leiden oder Katastrophe heimgesucht wurde. Dieses Jahr begann Tisha B'Av 2017 am Abend des Montags am 31. Juli und endete am Dienstagabend, den 1. August. Außer dass so viele jüdische Menschen wie noch nie zuvor zum Tempelberg hinaufgingen (was eine positive Sache ist), ist an dem Tag nichts bedeutsames passiert. Aber geschichtlich gesehen, ist dieser Tag eine ganz andere Sache. 

Irgendwann um das Jahr 1400 v. Chr. herum (Historiker sind sich nicht ganz einig, wann Israel das Verheißene Land erreichte) waren die Israeliten in der Wüste, nachdem sie die wundersame Befreiung aus Ägypten erlebt hatten. Sie waren nun auf dem Weg in das Verheißene Land. Aber zunächst sendeten sie Kundschafter aus, die das Land ausspionieren sollten, um dann eine Strategie zu erarbeiten. 

Die  Spione kehrten am achten Tag von Av zurück und berichteten, dass das Land uneinnehmbar sei (zwei Spione, Josua und Caleb waren anderer Meinung). An diesem Abend, dem 9. Av murrten das Volk. Sie sagten, es sei besser zurück zu kehren, als von den Kanaanintern getötet zu werden. 

Gott war sehr erzürnt über diese öffentliche Demonstration des Misstrauens in Seine Macht und als Folge war es dieser Generation von Israeliten verwehrt, das Verheißene Land zu betreten. Nur ihre Kinder hatten dieses Privileg, nachdem sie alle weitere 38 Jahre in der Wüste umhergewandert waren. 

Der Erste Tempel wurde am 9. Av (586 v. Chr.) zerstört. Fünf Jahrhunderte später (in 69. n. Chr.), als die Römer sich dem Zweiten Tempel näherten und ihn nieder zu brennen, waren die Juden schockiert darüber, dass ihr Zweiter Tempel am gleichen Datum zerstört werden würde, wie der Erste. 

Als die Juden gegen die römische Herrschaft rebellierten glaubten sie, dass ihr Anführer, Simon Bar Kochba, ihre messianische Sehnsucht erfüllen würde. Aber ihre Hoffnungen wurden in 133 n. Chr. auf grausame Art zerstört, als die kleine jüdische Arme im letzten Kampf bei Betar brutal abgeschlachtet wurde. Das Datum des Massakers? Der 9. Av! Ein Jahr nach dem Sieg bei Betar pflügten die Römer über den Tempelberg um sicher zu stellen, dass der Tempel nicht so bald wieder aufgebaut werden würde. 

Die Juden wurden in 1290 n. Chr. aus England vertrieben - und Sie haben es bereits erraten - am 9. Av. In 1492 begann das Goldene Zeitalter Spaniens, und Königin Isabella und ihr Ehemann Ferdinand befahlen, dass die Juden aus dem Land vertrieben werden sollten. Der Erlass für die Vertreibung wurde am 31. März 1492 unterzeichnet und den Juden wurden genau vier Monate Zeit gegeben, um ihre Angelegenheiten zu regeln und das Land zu verlassen. Und wie lautete das hebräische Datum, ab dem keine Juden mehr in dem Land geduldet werden würden, in dem sie zuvor willkommen waren und Wohlstand genossen? Natürlich - der 9. Tag des Monats Av.

Historiker sind der Ansicht, dass der 2. Weltkrieg und der Holocaust tatsächlich der späte Abschluss des 1. Weltkriegs waren, der in 1914 begonnen hatte. Und erstaunlicherweise erklärte Deutschland den Russen den Krieg und setzten den 1. Weltkrieg in Bewegung am 9. Av. 

Juden sehen darin eine weitere Bestätigung ihre tiefen Überzeugung, dass Geschichte kein Zufallsprodukt ist; alle Ereignisse - auch die schlimmen - sind Teil eines göttlichen Planes und haben eine geistliche Bedeutung. Alles hat einen rationalen Zweck, auch wenn wir diesen nicht verstehen oder erkennen. 

Was die Menschen oft vergessen ist, dass einige der oben genannten negativen Fälle tatsächlich später etwas gutes hervorbrachten. Das beste Beispiel dafür ist die Geburt des Staates Israel, die aus der Asche des Holocausts zustande kam. 

"Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über ihren leiblichen Sohn? Selbst wenn sie [ihn] vergessen sollte - ich will dich nicht vergessen! Siehe, in meine Hände habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind allezeit vor mir." (Jesaja 49,15-16).

Lonnie C. Mings

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