Psalmen gegen Raketen
Diese sich reimende hebräische Phrase, „Lehagid tehillim
neged tillim,“ bedeutet „Psalmen gegen Raketen
aufsagen“. Es ist ein Wortspiel, das sowohl religiöse
als auch säkulare Bewohner Sderots gebrauchen, um sich im
Angesicht der unaufhörlichen Raketenangriffe Mut zu machen.
Wir besuchten die kleine Orel und ihre Familie, bestehend aus
ihrer Mutter Shiva, ihrer jüngeren Schwester und einem kleinen
Bruder. Wir hatten Shiva einen Monat früher in unserem
Bürogebäude in Jerusalem gesehen. Wir kannten bereits Teile
ihrer tragischen Geschichte von ihren beiden Tanten, mit
denen wir auf früheren Besuchen gesprochen hatten. Shiva
war sechs Jahre alt, als ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder
in ihrem eigenen Zuhause von tschetschenischen Terroristen
ermordet wurden. An jenem Tag war ihre ältere Schwester mit
ihrer Großmutter unterwegs gewesen und Shiva war auf der
Schaukel im Garten hinterm Haus eingeschlafen. Sie wachte
auf und sah, dass das Haus brannte. Sie war nur sechs Jahre alt,
aber sie versuchte es zu löschen. Nachbarn kamen und hielten
sie zurück, während sie versuchten das Feuer zu löschen. Der
Vater wurde im Haus erschossen und ihre schwangere Mutter
und ihr kleiner Bruder wurden an Betten gefesselt. Dann
wurde das Haus angezündet. Sie wurden alle ermordet. Es
wurde geglaubt, dass ein berüchtigter moslemischer Terrorist
diese furchtbare Tat als antisemitischen Akt begangen hat.
Shiva und ihre Schwester zogen zu ihrer Großmutter. Nur gut
ein Jahr später zog die ganze Familie nach Israel.
Haus der Tränen
Sie sagt, es war ein „Haus der Tränen“ während sie bei
ihrer Großmutter lebte, da diese ihren einzigen Sohn, den
jüngsten nach sieben Töchtern, verloren hatte. Die Trauer war
überwältigend und umgab sie ständig. Als sie zwölf Jahre alt
war, bat sie einen Sozialarbeiter darum, in eine Pflegefamilie
gebracht zu werden. Die Pflegemutter behandelte sie grausam
und sie verbrachte viel Zeit in ihrem Schlafzimmer.
Ein Doktor gab ihr Schlaftabletten, die sie in kleinen Mengen
einnehmen sollte, wenn sie sie benötigte. Mit 15 Jahren nahm
sie eine Überdosis ein, nämlich die ganze Schachtel Tabletten
auf einmal. Sie hinterließ einen Zettel mit einer Erklärung ihrer
Handlung, doch wurde sie rechtzeitig von Freunden gefunden,
so dass ihr Leben gerettet werden konnte. Die Pflegemutter
versuchte die Schuld darauf zu schieben, dass Shiva entweder
Drogen nehme oder schwanger sei. Nach verschiedenen Tests
im Krankenhaus stellte sich jedoch heraus, dass keines von
beiden zutraf. Wenn sie jetzt darüber erzählt, sagt Shiva, dass
sie so etwas nie wieder tun würde. Sie lernte im Teenageralter
einen Mann kennen und gebar im Alter von 20 Jahren ihr
erstes von drei Kindern. Der Mann wurde mehr und mehr
aggressiv und verließ schließlich die Familie, um nach Amerika
zu ziehen. Shiva sagt, dass sie, wenn sie die Möglichkeit hätte,
Sderot um ihrer Kinder willen sofort verlassen würde.
Zusammen mit ihren Kindern besucht sie einen Psychologen.
Das hilft ihr, mit einem Leben in Sderot umzugehen, aber
es tut Shiva auch gut darüber reden zu können, was mit
ihren Eltern geschehen ist. Sie erzählte uns, dass die größte
Herausforderung eines Lebens in Sderot für sie ist, Zuversicht
zu haben und ihren Kindern diese Zuversicht weiterzugeben.
Wir ermutigten sie, dass Gott unsere Zuversicht ist. Er ist es,
der immer für uns da sein wird und der uns die Kraft gibt
weiterzumachen, egal was der Mensch uns antun möge. Shiva
ist offen und umgänglich, obgleich sie sehr auf Medikamente
angewiesen ist, die ihr helfen, den Tag zu durchstehen. Ihre
Kinder und der Wunsch, ihnen das Beste zu ermöglichen, sind
ihre Lebensmotivation.
Als wir sie zu Hause besuchten, war Orel sehr froh darüber,
Gäste zu haben. Während wir uns mit ihrer Mutter
unterhielten, wollte sie unbedingt auch etwas von unserer
Aufmerksamkeit. Als wir ihrer Mutter sagten, dass wir den
Psalm 121 über uns gebetet hatten, bevor wir an dem Morgen
nach Sderot gefahren waren, rannte Orel schnell fort und
brachte den tehillim / Buch der Psalmen. Sie öffnete es zum
Psalm 121, während ihre Mutter uns erklärte, dass sie diesen
speziellen Psalm liebte. Später fanden wir heraus, dass Orel
nicht lesen kann, doch diesen Psalm (Gottes Wort) auswendig
kann und sie sagen ihn oft auf, wenn die Raketen anfangen zu
fallen. Vielen Dank für Ihre anhaltende Unterstützung für
diesen wichtigen Dienst des Trostes.
Reinette Viljoen/ Emma Hambert
Terroropfer
Projekt "Unter Seinen Flügeln"
Trost und Hilfe für Terroropfer durch persönliche Besuche und verschiedene
praktische und finanzielle Geschenke.
"Er wird dich mit seinen Flügeln decken ..., dass du nicht erschrecken musst
vor dem Grauen der Nacht" (Psalm 91,4-5)
Weil in der letzten Zeit so viele Israelis durch den Terror schwerste physische
und psychische Verletzungen erlitten haben, empfand CFI es als notwendig, ein
spezielles Hilfsprojekt für Terroropfer ins Leben zu rufen. CFI hat begonnen, verwundete
Zivilisten und Soldaten im Krankenhaus oder zu Hause zu besuchen und traumatisierte Familien
in den Städten innerhalb der Grünen Grenze und in den Siedlungen, die betroffen sind vom
Verlust oder der Invalidisierung eines Ehepartners, von Verwandten, Kindern, Brüdern oder
Schwestern. Das Leben muss für sie weitergehen, manchmal mit mehreren Verletzten oder
einem fehlenden Familienmitglied, einer medizinischen Langzeitbehandlung und oft
einer lebenslangen Behinderung. Manchmal müssen sie einen neuen Beruf erlernen
und brauchen Hilfe und finanzielle Mittel, um einen Weg zu finden, der eine Zukunft hat.
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