Ein jeder erscheint vor Gott in Zion


Diese Worte sind so wahr für die vielen Überlebenden des schrecklichen Versuchs im Zweiten Weltkrieg, die jüdische Bevölkerung auszulöschen. Es ist ein Privileg für uns als Team hier, Zeugen von Gottes Eingreifen in das Leben unserer Freunde zu sein und sie bis zu ihren letzten Tagen zu begleiten.

Yakov, unser Freund, ist eines dieser Beispiele.

Yakov wurde in einer religiösen Familie in Südrussland geboren. Sobald der Krieg begann, zeigte die neue Macht ihr hässliches Gesicht. Die Juden mussten sich bei der örtlichen Polizeistation registrieren lassen und wurden angewiesen, Bänder mit dem Davidstern an den Armen zu tragen. Yakov erinnerte sich, wie seine Mutter unter bitterem Weinen Binden nähte und sein Vater die Sterne mit Tinte aufmalte. Yakov behielt einen dieser Binden bis zu seinen letzten Tagen.

Kurz nachdem die Deutschen in das Dorf eingedrungen waren, wurden die Juden in den Wald gebracht und angewiesen, eine tiefe Grube auszuheben. Yakovs Vater verstand, wozu die Grube diente, und beschloss zu fliehen, aber die Familie wurde verraten, schwer geschlagen und in ein kleines Ghetto zurückgebracht. Der Kampf ums Überleben begann – Hunger, Kälte, harte Arbeit und Krankheit. Einmal, als Yakov allein zu Hause war, hielt ein Gaswagen neben dem Haus, und Yakov, der vor Angst zitterte, konnte fliehen und sich in einem Stapel Heu verstecken. Das Überleben seiner Familie war auch dank der Hilfe und des Schutzes des Dorfvorstehers Gregory Dashko möglich. Yakov hat das nie vergessen.

Unser letzter Besuch bei Yakov war etwas ganz Besonderes, aber auch sehr traurig. Vor kurzem wurde er 92 Jahre alt, und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Viele Jahre lang waren wir bei seiner Frau Vera und in Yakovs Haus als enge Familienmitglieder willkommen, und wir werden nie vergessen, wie Yakov auf seinem Keyboard spielte und Lieder auf Jiddisch für uns sang. Dieses Mal fanden wir Yakov auf seinem Sterbebett vor, aber er erkannte uns noch und strahlte sofort! Wir hinterließen unser Geschenk und eine Karte mit Bibelstellen und reisten bald wieder ab. Yakov verstarb zwei Tage später.

Als wir Vera einen Monat später besuchten, fanden wir Yakovs Bild und unsere Karte daneben. Vera erzählte uns, dass Yakov die Karte in seinen Händen hielt und sie bis zu seinem letzten Atemzug immer wieder las. Die Worte auf der Karte stammten aus Psalm 84,5-8: „Wohl denen, die in deinem Haus wohnen; sie preisen dich allezeit! Wohl dem Menschen, dessen Stärke in dir liegt, [wohl denen], in deren Herzen gebahnte Wege sind! Wenn solche durch das Tal der Tränen gehen, machen sie es zu lauter Quellen, und der Frühregen bedeckt es mit Segen. Sie schreiten von Kraft zu Kraft, erscheinen vor Gott in Zion.“

Es war ein Privileg, Yakov zu besuchen und ihm in seinen letzten Tagen etwas Freude und Trost zu bringen.

Ich danke Ihnen für all Ihre Liebe zum Herrn und Seinem Volk und für Ihre fortwährenden Bemühungen, das Werk zu unterstützen, das Ihm so sehr am Herzen liegt. Möge der Name des Herrn verherrlicht werden, wenn wir nicht den Mut verlieren und unser Rennen mit Dankbarkeit und Freude laufen.

Olga Kopilova
Projekt Vergesst sie nicht


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