10. August 2015


Der Unterschied zwischen uns und ihnen

Überreste des Hauses in Duma

In einem Artikel des palästinensischen Autors Bassam Tawil, der vor Kurzem durch das Gatestone Institut veröffentlicht worden ist, heißt es: „Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich von israelischen Juden die Phrasen ‚Ich bin beschämt’, und ‚Es tut mir leid’ als Reaktion auf das schreckliche Verbrechen, welches letzte Woche das Leben des palästinensischen Kleinkindes Alit Dawabsha in dem Dorf Duma im Westjordanland gefordert hat, gehört habe.“

Die starke Reaktion der israelischen Öffentlichkeit und Oberhäupter auf den Brandanschlag ist ehrlich gesagt ein wenig tröstend. Die Verurteilung dieses Verbrechens durch die Israelis beschämt mich und andere Palästinenser nicht nur, sondern sie bringt uns auch in Verlegenheit – weil das nicht die Art ist, wie wir Palästinenser auf Terrorangriffe gegen Juden reagiert haben – nicht einmal bei dem verachtenswerten Mord an jüdischen Kindern.

Unsere Reaktion hat in der Tat Gefühle der Schande und Unehre erzeugt. Während der israelische Premierminister, Präsident und andere Beamte sehr schnell den Mord an Dawabsha aufs schärfste verurteilt haben, prangern unsere Oberhäupter kaum Terrorangriffe auf Juden an. Und wenn eine palästinensische Führungspersönlichkeit eine Verurteilung veröffentlicht, ist diese oft vage und fragwürdig.

Nehmen wir zum Beispiel was letztes Jahr nach dem Kidnapping und Mord von drei israelischen Teenagern durch Palästinenser im Westjordanland passiert ist. Zuerst hat es vier Tage gedauert, bis Präsident Abbas ein Statement veröffentlichte um den Terrorangriff zu verurteilen, und auch dann war die Verurteilung im besten Fall zaghaft: „Die Palästinensische Präsidentschaft ... verurteilt die Serie von Ereignissen, die letzte Woche passiert sind, beginnend mit der Entführung von drei israelischen Jugendlichen.“ Abbas fuhr dann fort, indem er Israel für die Verhaftung von Dutzenden von Hamas-Mitgliedern nach der Entführung und dem Mord der drei Jugendlichen anprangerte.

Später in 2014 als Abbas dann tatsächlich einen palästinensischen Terrorangriff verurteilte, bei dem fünf Israelis in einer Synagoge in Jerusalem getötet worden waren, erklärte ein Beamter der Fatah, Najat Abu Baker, einige Tage später, dass die Verurteilung Abbas’ „im diplomatischen Kontext“ gemacht worden ist und dass „[er] gezwungen ist, auf diese Art zur Welt zu sprechen.“

Abbas’ Verurteilung des Angriffes bei der Synagoge in Jerusalems Har Nof Gegend kam offenbar erst nachdem der US-Außenminister John Kerry Druck ausgeübt hatte. Kerry hatte mit dem palästinensischen Oberhaupt zwei Mal telefoniert, um zu fordern, dass dieser etwas gegen die Morde sagen würde. In Abbas’ Statement hieß es, dass die palästinensischen Leiterschaft das „Töten von Betern in einer Synagoge und alle Akte von Gewalt, unabhängig von der Quelle“ verurteilen würde. Sein Statement forderte gleichzeitig auch eine Ende der „Einbrüche und Provokationen durch Siedler gegen die Aqsa Moschee“ auf.

Abbas’ zweideutige und halbherzige Verurteilung von Angriffen durch Palästinenser auf Israelis sind nur für den öffentlichen Konsum gedacht und sollen in erster Linie westliche Spender beschwichtigen, so dass diese weiterhin Gelder an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) schicken. Dazu kommt, dass seine Verurteilungen immer versuchen, Israel für die palästinensischen Terrorangriffe zu beschuldigen – vermutlich ein Versuch das Töten von Juden durch die Hände von palästinensischen Terroristen zu rechtfertigen.

In Gegensatz dazu klingen die israelischen Oberhäupter, die den Mord an dem palästinensischen Kleinkind verurteilten überzeugt und eindeutig. Hier ist, was Premierminister Netanyahu sagte, nachdem er die Eltern und den Bruder des ermordeten Kindes besucht hatte, die bei dem Brandanschlag verwundet und in israelischen Krankenhäusern versorgt wurden: „Wenn man neben dem Bett dieses kleinen Kindes steht, dessen noch kleinerer Bruder so brutal ermordet worden ist, sind wir schockiert und empört. Wir verurteilen dies. Es gibt null Toleranz für Terrorismus egal woher er kommt, egal von welcher Seite des Zaunes.“

Netanyahus starke und klare Verurteilung lässt mich und andere Palästinenser fragen, wann wir das letzte Mal ähnliche Statements von unseren Oberhäuptern gehört haben. Ich kann mich nicht erinnern jemals gehört zu haben, dass Abbas oder irgend eine andere palästinensische Führungspersönlichkeit Schock und Empörung über die Tötung eines Juden in einem palästinensischen Terrorangriff ausgedrückt hätte. Ich kann mich auch nicht an das letzte Mal erinnern, dass ein palästinensischer Beamte die israelischen Opfer eines palästinensischen Terrorangriffes besucht hat.

Die Verurteilung des Mordes an dem Baby durch die israelische Leiterschaft ist eine aufrichtige Stimme, welche die Ansichten des überwältigenden Mehrheit der israelischen Öffentlichkeit wiederspiegelt. Im Gegensatz dazu reflektieren die Verurteilungen von Terrorangriffen durch die palästinensischen Leiter nicht die allgemeinen Gefühle der palästinensischen Straßen. Jedes Mal wenn Abbas widerwillig einen palästinensischen Terrorangriff verurteilt, hat er es danach mit Wellen der Kritik von vielen Palästinensern zu tun.

Ungleich der israelischen Öffentlichkeit versuchen viele Palästinenser oft Terrorangriffe gegen Juden zu rechtfertigen und sogar Willkommen zu heißen. Dies war auch die Situation vor nur wenigen Wochen als ein israelischer Mann in der Nähe von Ramallah erschossen wurde. Mehrere palästinensische Fraktionen und militärische Gruppen applaudierten dem Mord und bezeichneten ihn als eine „natürliche Reaktion auf die Verbrechen der Israelis.“

Das ist der große Unterschied zwischen der Art wie Israelis und Palästinenser auf Terrorismus reagieren. Nach dem Mord an Dawabsha hielten viele Israelis anti-Gewalt-Demonstrationen ab, um das schreckliche Verbrechen zu verurteilen. Hat man aber schon jemals von einer ähnlichen Demonstration auf Seiten der Palästinenser gehört, wenn Terroristen unschuldige jüdische Zivilisten töten? Gibt es einen führenden palästinensischen Beamten oder eine prominente Figur, die es wagt in der Öffentlichkeit gegen den Mord an Juden zu sprechen oder bei einer Kundgebung in Zentrum von Ramallah oder Gaza-Stadt? Hat es schon jemals einen palästinensischen Aktivisten gegeben, der es gewagt hätte, eine Kundgebung in einer palästinensischen Stadt zu veranstalten um Selbstmordattentate oder den Mord an einer ganzen jüdischen Familie zu verurteilen?

Während Israelis Kundgebungen veranstalteten um Terrorangriffe gegen unser Volk zu verurteilen, haben wir das Töten von Juden gefeiert. Wie oft sind wir auf die Straßen gegangen um zu feiern, dass Juden getöten worden sind. Solch widerwärtige Szenen von Männern und Frauen, die Terrorangriffe gegen Juden auf den Straßen des Westjordanlandes und des Gazastreifens feiern sind noch nie durch unsere Oberhäupter verurteilt worden. Diese Szenen waren immer üblich, wenn palästinensische Terroristen Angriffe auf Juden ausgeführt hatten.

Diese Szenen stehen in scharfem Kontrast zu den öffentlichen Statements und Kundgebung in Israel als Reaktion auf Terrorangriffe gegen Palästinenser. Unsere Oberhäupter müssen von Israels Präsidenten, Reuven Rivlin, lernen, der sagte, dass er sich für den Mord an dem palästinensischen Kind schämen würde und dass es ihn schmerzt. Wann hat das letzte Mal ein palästinensisches Oberhaupt solche Worte gefunden, um den Mord an Juden zu verurteilen? Die kurzen Statements, die von Seiten von Abbas nach einem anti-jüdischen Terrorangriff kommen sprechen nie über Scham oder Schmerzen.

Wir haben versagt, unser Volk über die Prinzipien von Toleranz und Frieden zu unterrichten. Stattdessen applaudieren wir weiterhin dem Terrorismus, vor allem wenn er sich gegen Juden richtet. Wir wollen dass die ganze Welt Terrorismus verurteilt, aber nur wenn er das Leben von Palästinensern fordert. Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem viele von uns entweder Angst haben, etwas gegen Terrorismus zu sagen oder wir es einfach akzeptieren, wenn dabei Juden getötet werden.

Der israelische Präsident hat allen Grund für den Mord an dem Kleinkind beschämt zu sein. Aber wann werden wir Palästinenser mal Scham darüber fühlen, wie wir auf den Mord an Juden reagieren? Wann werden wir aufhören, Terroristen zu glorifizieren und unsere Straßen und öffentliche Plätze nach ihnen zu benennen, statt sie heftig zu verurteilen und sie aus unserer Gesellschaft zu verbannen? Wir haben noch viel von den israelischen Oberhäuptern und der israelischen Öffentlichkeit zu lernen.

(Abgewandelter Artikel von Bassam Tawil, Gatestone Institut, 4. August 2015)

„Du sollst das Recht deines Armen nicht beugen in seinem Rechtsstreit. Von einer betrügerischen Sache halte dich fern, und den Unschuldigen und Gerechten bringe nicht um; denn ich spreche keinen Gottlosen gerecht“ (2. Mose 23,6-7).

 

Bericht für CFI-Jerusalem
Lonnie C. Mings